Grundsteuer berechnen in Mecklenburg-Vorpommern
Inhaltsverzeichnis:
- So funktioniert das Bundesmodell
- Formel zur Berechnung der Grundsteuer in Mecklenburg-Vorpommern
- Beispielrechnung: Einfamilienhaus in Rostock
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Grundstücksgröße: 600 m²
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Bodenrichtwert: 800 €/m²
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Gebäudewert: 180.000 €
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Hebesatz: 300 %
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Grundstückswert: 600 m² × 800 €/m² = 480.000 €
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Gesamtwert (inkl. Gebäude): 480.000 € + 180.000 € = 660.000 €
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Grundsteuer: 660.000 € × 1,1 Promille × 300 % = 660.000 € × 0,0011 × 3,0 = 2.178 € pro Jahr
- Ein wichtiger Vorteil des Bundesmodells ist die Berücksichtigung der Lage bei der Besteuerung. Da der Bodenrichtwert als Grundlage dient, wird die Steuerlast fair an die Wertigkeit des jeweiligen Standorts angepasst. Dies führt zu einer gerechteren Besteuerung und verhindert, dass günstige oder wenig nachgefragte Lagen übermäßig belastet werden.
- Durch die Einbeziehung des Gebäudewerts wird zudem eine angemessenere Besteuerung von Alt- und Neubauten ermöglicht. Neubauten, die aufgrund ihres höheren Werts eine größere Steuerlast tragen sollten, werden realistischer bewertet.
- Ländliche Regionen profitieren von niedrigeren Bodenrichtwerten und geringeren Hebesätzen, was die Steuerbelastung für Eigentümer in weniger gefragten Gebieten reduziert. Dadurch wird der Wohnraum in diesen Regionen attraktiver und die Nebenkosten für Eigentümer und Mieter bleiben überschaubar.
- Ein großes Problem des Bundesmodells ist die unterschiedliche Steuerbelastung zwischen Stadt und Land. Während Eigentümer in Städten wie Rostock oder Stralsund eine deutlich höhere Grundsteuer zahlen müssen, sind ländliche Gebiete finanziell entlastet. Dies kann zu einer verstärkten Belastung von Immobilienbesitzern in urbanen Regionen führen.
- Ein weiteres Problem ergibt sich durch geringere Steuereinnahmen in ländlichen Gebieten. Da die Grundsteuer hier oft niedriger ausfällt, haben Kommunen möglicherweise weniger Einnahmen für Infrastruktur und öffentliche Dienstleistungen.
- Nicht zuletzt kann die indirekte Mieterbelastung eine Herausforderung darstellen. Da Vermieter die Grundsteuer in vielen Fällen auf die Nebenkosten umlegen, können Mieter in teuren Stadtlagen durch steigende Wohnkosten betroffen sein.
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So funktioniert das Bundesmodell
Mecklenburg-Vorpommern folgt bei der Berechnung der Grundsteuer dem Bundesmodell, das sowohl den Bodenwert als auch den Gebäudewert berücksichtigt. Ziel dieser Methode ist es, eine möglichst realitätsnahe und gerechte Besteuerung von Immobilien zu ermöglichen.
Im Mai 2022 wurde von der Finanzverwaltung an sämtliche Grundstückseigentümer in Mecklenburg-Vorpommern ein Informationsbrief verschickt. Dieses Schreiben enthält wichtige Informationen bezüglich der Abgabe von Erklärungen. Falls Sie am 01.01.2022 im Besitz eines Grundstücks waren und bisher kein solches Schreiben erhalten haben, bitten wir Sie, sich an das zuständige Finanzamt zu wenden. Über ein Online-Portal haben Grundstückseigentümerinnen und -eigentümer kostenfreien Zugang zu den Daten der Katasterverwaltung und Gutachterausschüsse, die für die Erstellung der Erklärung erforderlich sind. Hierzu gehören unter anderem Ertragsmesszahlen und Bodenrichtwerte.
Formel zur Berechnung der Grundsteuer in Mecklenburg-Vorpommern:
Die Berechnung der Grundsteuer basiert auf der folgenden Formel:
Grundsteuer = Grundstückswert × Steuermesszahl × Hebesatz
1. Grundstückswert
Der Grundstückswert ergibt sich aus der Grundstücksfläche und dem entsprechenden Bodenrichtwert, der angibt, wie viel ein Quadratmeter Boden in einer bestimmten Lage wert ist. Der Wert eines Grundstücks wird durch Multiplikation des Bodenrichtwerts mit der Grundstücksgröße bestimmt.
2. Gebäudewert
Der Wert des Gebäudes wird auf Basis verschiedener Faktoren ermittelt, darunter das Alter, der Zustand und die Nutzung. Dieser Wert wird zum Grundstückswert addiert, um die Gesamtbewertung der Immobilie zu berechnen.
3. Steuermesszahl
Für Wohn- und Geschäftsgrundstücke beträgt die Steuermesszahl in Mecklenburg-Vorpommern 1,1 Promille des Gebäudewerts. Erbbaugrundstücke profitieren von einer reduzierten Steuermesszahl von 0,35 Promille.
4. Hebesatz
Der Hebesatz wird von den jeweiligen Kommunen individuell festgelegt. In Schwerin liegt der Hebesatz aktuell bei 300 %, während er in ländlichen Regionen häufig niedriger ausfällt.
Beispielrechnung: Einfamilienhaus in Rostock
Eckdaten:
Berechnung:
Diese Berechnung zeigt, dass sowohl der Bodenrichtwert als auch der Gebäudewert einen erheblichen Einfluss auf die Höhe der Grundsteuer haben.
Vorteile und Nachteile des Bundesmodells in Mecklenburg-Vorpommern
Vorteile
Nachteile
Die Grundsteuererklärung für Grundstücke in Mecklenburg-Vorpommern muss elektronisch an das Finanzamt übermittelt werden. Die Einreichung in Papierform ist grundsätzlich nicht möglich. Nur in besonderen Härtefällen und auf Antrag kann eine Ausnahme gemacht werden, indem die ausgefüllten Formulare per Post gesendet werden. Dieser Antrag kann beispielsweise von Steuerpflichtigen gestellt werden, die keinen Zugang zu einem PC mit Internetverbindung haben oder nicht über die erforderlichen Computerkenntnisse verfügen.
Das Bundesmodell hat die Berechnung der Grundsteuer in Mecklenburg-Vorpommern modernisiert und transparenter gestaltet. Mit den richtigen Angaben und Unterlagen können Sie Ihre Grundsteuer korrekt berechnen.
Bei Unsicherheiten oder Fragen zur Grundsteuer stehen Ihnen die örtlichen Finanzämter oder Steuerexperten gerne zur Verfügung. Die genaue Kenntnis der Steuerregelungen kann Ihnen helfen, Ihre finanziellen Verpflichtungen zu erfüllen und möglicherweise Steuervorteile zu nutzen.